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Einführung in BJJ-Konzepte und wie du sie für dich nutzen kannst

Von Nergis Birlikseven

Egal ob du schon lange BJJ betreibst, erst vor kurzem angefangen hast oder dich einfach für Kampfsport interessierst: Du wirst bemerkt haben, dass das Erlernen von Techniken das A und O ist. Vergleichsweise bekommt das Studium von Konzepten noch wenig Aufmerksamkeit. Konzepte können aber ein wirksames Werkzeug für das Verständnis der Sportart und das Manövrieren im Kampf sein.

In diesem Artikel wollen wir dir daher näherbringen, was ein Konzept überhaupt ist, welche einfachen Konzepte es gibt und warum und wie sich das Aneignen von Konzepten merklich positiv auf deine BJJ-Entwicklung auswirken kann.

Was ist ein Konzept?

Ein Konzept im BJJ-Kontext ist eine von einer konkreten Technik abstrahierte Idee, die sich auf viele verschiedene Techniken und Situationen anwenden lässt.

Eins der simpelsten und fundamentalsten BJJ-Konzepte ist das Attackieren von schwachen Strukturen mit stärkeren Strukturen, beispielsweise bei einem Armbar. Bei einem Armbar sicherst du dir den Arm des Gegners indem du mit deinen Beinen den Oberkörper des Gegners unten hältst und den Arm mit deiner ganzen Rumpfkraft zu dir ziehst.

Wenn wir versuchen ein Konzept zu entwickeln, versuchen wir also herauszufinden, was die Regel ist, die hinter einer Technik steckt. Wir schauen auf eine Metaebene.

Die Vorteile von Konzepten

  1. Konzepte sind prinzipiell technikunabhängig bzw. technikübergreifend. Das bedeutet aber nicht, dass sie ausnahmslos immer gelten.
  2. Konzepte sind hilfreich für jedes Level. Durch die Technikunabhängigkeit können sie oft eine Stütze sein, wenn dir in einer bestimmten Position keine konkrete Technik einfällt.
  3. Konzepte entwickeln sich mit dir weiter, genauso wie Techniken. Die Konzepte die du siehst, probierst und studierst, werden sich mit der Zeit genauso weiterentwickelt, wie die Komplexität der Techniken, die du erlernst. Dadurch hast du neben dem Technikstudium ein weiteres Tool zur Hand was deine Entwicklung voranbringt.
  4. Konzepte sind abstrakt und fordern dein Gehirn. Im Gegensatz zu Techniken, die du theoretisch einfach Schritt-für-Schritt auswendig lernen und anschließend in einen Automatismus drillen kannst, erfordert das Erlernen von Konzepten durch die Abstraktion aktives Studium und aktive Auseinandersetzung. Dadurch bist du gezwungen, dich tiefergehend mit deinem Sport zu beschäftigen. 

Konzept-Beispiele

Hier sind vier einfache Konzept-Beispiele um dir einen ersten Einblick zu verschaffen und dir Anregungen für dein eigenes Training zu geben. Natürlich gibt es immer Ausnahmen zu den Konzepten.

  1. Kombiniere mehrere Angriffe um deinen Gegner in ein Dilemma zu bringen.
    Ähnlich wie das Konzept weiter oben, dass du schwache Strukturen mit starken Strukturen angreifst, kannst du genauso mehrere Angriffe auf einmal kombinieren. Wenn du beispielweise einen Würgegriff mit einem Rückenangriff kombinierst, bringst du deinen Gegner in ein Dilemma und du bekommst häufig deinen Plan B durch. Es kann sogar sein, dass du deinen Plan A, also deinen stärkeren Angriff, durchsetzen kannst, da dein Gegner überfordert wird.
  2. Where the head goes, the body follows.
    Bestimmt hast du den Satz schon einmal gehört. In einem Kampf willst du die Bewegungen und die Richtung deines Gegners kontrollieren. Den gesamten Körper deines Gegners zu kontrollieren ist aber schier unmöglich. Eine einfachere, kraftsparende Variante ist die Kopfkontrolle. Wenn du unten liegst und dein Gegner dich auf deiner rechten Seite passiert und du seinen Kopf nach rechts drückst, was passiert? Sein Körper wird auf deine linke Seite folgen. Durch die Kopfkontrolle bringst du außerdem Vorhersagbarkeit in den Kampf. Da du die Richtung deines Gegners schon kennst, bringt dir das einen Zeit- und Taktikvorteil.
  3. Wenn du deinen Gegner nicht bewegen kannst, beweg dich selbst.
    Klingt selbstverständlich, aber wie oft haben wir schon auf der Matte gesehen wie jemand versucht seinen Gegner aus der Top-Position wegzudrücken? Dieses Konzept erklärt, warum oft gesagt wird, dass kleinere Kämpfer sich mehr bewegen müssen als größere, schwerere Kämpfer. Dadurch, dass sie Bewegungen ihrer Gegner nicht direkt aufhalten können, lernen leichtere Kämpfer einen Weg um die Bewegung herum. Wenn sie also beispielweise wirklich von ihrem Gegner aus einer Toplage hochgehievt werden und deutlich schwächer sind, können sie den Impuls nutzen um in einen Armbar zu springen und die ausgestreckten Arme des Gegners ausnutzen.
  4. Kämpf um die bessere Körperhaltung.
    Wenn du in der Closed Guard deines Gegners bist, sollst du den Rücken aufrecht und den Kopf gerade halten. Das liegt daran, dass eine gebückte Haltung nur mit schierer Muskelkraft wieder korrigiert werden kann. Eine gerade Haltung hingegen bringt deine Knochen und Muskeln in eine synergistische Position, die es schwerer macht einen Versatz von außen zu erzwingen. Vergleiche beim Kämpfen die Körperhaltung von deinem Gegner und dir und überlege, was du ändern musst. Nicht immer ist eine gerade Körperhaltung die bessere. Unterstützt dich deine Körperhaltung gerade bei deinem Ziel oder hindert sie dich? Wie sieht es bei deinem Gegner aus? Was kannst du tun, um ihn in eine für ihn schlechtere Position zu zwingen?

Techniken in eine Konzeptstruktur einbinden.

Jetzt hast du einige Denkanstöße bekommen und fragst dich vielleicht, warum man sich im Training so sehr auf Techniken konzentriert, wenn Konzepte denn so überlegen sein sollen.

Eine Hilfe kann es sein, Konzepte als so etwas wie die Grammatik einer Sprache zu verstehen und Techniken als Vokabeln. Du kommunizierst mit den Vokabeln, aber erst durch die dahinterliegende Grammatik kannst du den Vokabeln eine Struktur geben. Wenn man einen der beiden Bausteine auslässt, wird es schwierig, eine Sprache vernünftig zu erlernen.

Genauso ist es mit Techniken und Konzepten. Du bewegst dich mit den Techniken („kommunizierst“), aber erst mit dem Verständnis von Regeln und Strukturen sind sie sinnvoll aneinandergeknüpft und angemessen variiert. Eins ist ohne das andere nicht denkbar. Konzepte sind wegen ihrer Abstraktheit schwer in einer BJJ-Stunde unterzubringen. Wenn du also demnächst eine neue Technik lernst, kann es hilfreich sein, dir selbst Gedanken über die dahinterliegende Regel Gedanken zu machen. So bindest du die neue Technik aktiv in dein Gedächtnis ein. Andersherum fallen dir ja ab jetzt vielleicht öfter Konzepte auf, mit denen du deine bereits erlernten Techniken zusammenfassen kannst.

Wahrscheinlich neigst du dazu du eher Techniken oder eher Konzepte zu bevorzugen. Wenn dir eine organisierte, gewissenhafte Art zu lernen näher liegt, schätzt du es vielleicht, die Details von vielen Techniken zu erlernen und diese Details und Techniken irgendwann zu einem großen Netz von Techniken zu deinem persönlichen Game-Plan zu verknüpfen.

Liegt dir eine intuitive und globale Art näher, verschaffst du dir wahrscheinlich lieber erstmal bewusst oder unbewusst einen Überblick über die Techniklandschaft und bevorzugst es dann aus der Vogelperspektive ins Detail zu gehen. Sei es wie es sei, wenn du beide Perspektiven verknüpfst, wirst du sicherlich einen Unterschied in deinem Verständnis deiner Sportart bemerken und kannst deinen persönlichen Trainingszielen leichter näherkommen.  

Eine konkrete Idee zum Studium von Konzepten

Eine abschließende, konkrete Idee wäre das Führen eines Trainings-Journals. Dort kannst du deine gelernten Techniken nach jeder Einheit aufzuschreiben und auch das dahinterliegende Konzept mit notieren. So hinterfragst du die Mechaniken und Gesetzmäßigkeiten der gelernten Techniken regelmäßig und vertiefst deine BJJ-Kenntnisse.

Einen Anfang bieten dir die oben genannten Konzepte. 10 weitere Prinzipien, die insbesondere für Anfänger relevant sind, findest du zudem in diesem Video auf unserem MunichMMA-Youtube-Kanal.

Wenn du Lust bekommen hast, deinen Körper und deinen Kopf beim BJJ, MMA oder Muay Thai zu fordern, kannst du dich jederzeit hier zu einem kostenlosen Probetraining in einer unserer drei Location in München anmelden.

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