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Frauen im Kampfsport

Stärke | Inspiration | Selbstbestimmtheit

Ist was wir ausstrahlen.

Ist was wir erreichen wollen.


Trotzdem wird dieses Thema immer wieder belächelt, fetischisiert und in die ein oder andere Schublade gesteckt. Aber es steht eben so viel mehr dahinter. Es ist nicht nur Sport.

Es ist eine Art, seinen Weg zu bestreiten. Es ist eine besondere Einstellung zum

Leben, die eben weniger von Frauen, aber mehr von Männern gelebt wird – was nicht bedeutet, dass wir das nicht können oder sollten.

Aber wir kämpfen mit vielen Vorurteilen, die das Betreten eines Gyms nicht immer einfach machen.

Man braucht viel Mut.

Hi, ich bin Mara, 35 Jahre alt.

Ich habe über 10 Jahre Kampfsporterfahrung, davon 5 Jahre BJJ bei Munich MMA – nicht nur als Schülerin, sondern seit ca. 2 Jahren auch als Kindertrainerin.

Als ich mit dem Kampfsport angefangen habe, musste ich mich oft überwinden und habe mich das ein oder andere Mal auf der Matte unwohl gefühlt. Aber die Leidenschaft, meinen Körper zu bewegen und dem Wettkampf auszusetzen, hat immer gewonnen.

Über die letzten Jahre habe ich für mich Strategien entwickelt, die es mir auf der Matte leichter machen, die mir das Selbstbewusstsein gegeben haben, mich wohlzufühlen und für die Dinge, die ich möchte oder eben nicht möchte, einzustehen. Diese Strategien möchte ich heute gerne mit euch teilen – nicht von oben herab, nicht weil ich so eine krasse Kampfsportlerin bin, sondern weil ich eine Frau auf der Matte bin. Um ein Miteinander von Frauen auf der Matte zu fördern, Erfahrungen zu teilen, damit wir alle das tun können, worauf es eigentlich ankommt: ohne Angst und Unsicherheit, nur mit Spaß und Stärke … und zwar Kampfsport.

Meine sportliche Karriere hat, wie bei vielen Mädchen, im Ballett angefangen. Da bin ich aber schnell rausgeflogen, weil ich nicht stillhalten konnte. Meine Eltern haben es mit Tennis, Reiten, Segeln und Turnen versucht, aber nichts hat mir das gegeben, was ich brauchte: den Wettkampf, die körperliche Auseinandersetzung.

Ich konnte mich dann in frühester Kindheit beim Skifahren beweisen und hatte schnell Erfolg. Aber so schnell der Erfolg kam, kam auch die Verletzung – und schon war ich wieder raus. Es war aber klar, auch schon damals, gegen den Rat der Ärzte zu gehen und Sport nicht an den Nagel zu hängen. Als ich dann selbst entscheiden konnte, war schnell klar: Kampfsport it is.

Aber schon kamen die ersten Vorurteile, sei es von der Familie, von Mitschülern oder anderen Personen im Umfeld wie dem eigenen Partner. Und ich fand es damals schon erschreckend, wie schnell man als „Mannsweib“ oder „Querschläger“ abgestempelt wird.

„Ist doch eher was für Jungs.“

Aber wir wissen alle, dass das nicht stimmt. Wir wissen alle, dass die Vielfalt auf der Matte alles erst so richtig interessant macht.

Jetzt habe ich das Glück, in einem Gym zu sein, das wahnsinnig weltoffen und freundschaftlich jeden in seine Arme nimmt, der mittrainieren möchte – und trotzdem hatte ich anfangs Ängste.

Was mir direkt aufgefallen ist, sind die superlieben Mädels, die schon länger trainiert hatten als ich, mich aber sofort aufgenommen haben. Kleine Gesten wie ein „Setz dich zu uns“, gefolgt von einem einladenden Heranwinken oder das selbstverständliche Hinzufügen zur WhatsApp-Gruppe, haben Wunder bewirkt.

Also hier schon der erste Tipp:

Such die Nähe zu den Mädels, connected euch und schafft Verbindung.

Wir sind die Minderheit in den Gyms – und eine starke Frauentruppe um sich zu haben, ist ein echter Gamechanger. Nicht nur für dich, sondern für euch alle.

Schon bei den ersten Einheiten als blutiger Anfänger war gleich klar: Das macht richtig viel Spaß. Aber die meisten Gegner, die man hat, sind größere und schwerere Männer.

Viele haben sich im Griff und können ihre Kraft anpassen, aber was macht man mit denen, die es nicht können? Die, die eben auch gerade erst anfangen?

Mein erster Ansatz: „Wenn du das machen willst, dann musst du da durch!“ So wie es mir jahrelang gesagt wurde: „Du willst bei uns mitmachen? Dann erwarte keine Extrawurst!“

Daraus folgten zahlreiche Zerrungen, geprellte Rippen und kleine Verletzungen, die mich immer wieder zu Pausen zwangen und meinen Fortschritt auf der Matte verlangsamten.

Also Fazit: Sag nein! Gib dich nicht her für die vermeintlich „leichte Runde“ für den, der die letzten fünf Runden so einstecken musste, dass er jetzt ein Erfolgserlebnis braucht.

Such dir selbstbewusst Runden, die körperlich ungefähr passen. Hab keine Angst, zu den höheren Gurten zu gehen und nach einer Runde zu fragen. Meistens sind das die Runden, bei denen du lernst, weil du ausprobieren darfst. Weil dein Gegenüber sich anpassen kann und kein Problem damit hat, eine Runde etwas zurückzustecken.

Die wohl häufigste Frage, die ich gestellt bekomme, ist, ob es mir nichts ausmacht, so engen Körperkontakt mit Fremden – in erster Linie mit fremden Männern – zu haben.

Die ehrliche Antwort ist: „Manchmal.“

Es gibt schnell die, mit denen du dich wohlfühlst, die, die es schaffen, dir Sicherheit zu geben – auch wenn sie sich mit ihrem Schritt auf dein Gesicht setzen. Die Runden enden dann mit Gelächter, und keiner nimmt es zu ernst, wenn du aus Versehen im Gerangel mal zu tief in den Schritt greifst.

Aber was ist mit den Männern, bei denen du ein schlechtes Gefühl hast? Die bei jeder Gelegenheit anzügliche Witze machen, in deine DMs sliden und nicht verstehen, dass der Körperkontakt auf der Matte bleibt und kein Freifahrtschein für „draußen“ ist.

Durch meine persönliche Vergangenheit hat mich das oft extrem getriggert, und ich saß zitternd und weinend in der Umkleide oder im Auto. Einfach, weil ich nicht wollte, dass es jemand mitbekommt. Ich habe mich geschämt für meine Reaktion. Aber jetzt weiß ich, dass nicht ich diejenige bin, die sich schämen muss.

Sie sind es!

Sie sind, auch wenn es sich nicht so anfühlt, die Minderheit. Lass dich nicht einschüchtern, lass dir nicht das Gefühl geben, dass das deine Aufgabe auf der Matte ist: schön auszusehen und leicht zu haben zu sein.

Wenn sie zu weit gehen, such dir Hilfe bei deinen Verbündeten – Frauen wie Männern, Trainern! Sei selbst auf deiner Seite und steh für dich ein, sonst wird es niemand anderes tun.

Und glaub mir: Sie werden dir helfen.

Das ist meine Erfahrung – und es wird auch deine sein, sobald du verstanden hast, dass du selbst damit anfangen musst.

Und das ist auch schon das ganz allgemeine Fazit meines Eintrags:

Fang an! Geh hin! Trau dich! Kämpfe!

Frauen auf der Matte sind längst kein Tabu mehr.

Wir sind da, wir trainieren und wir verändern die Sicht auf Frauen im Kampfsport. Jede einzelne von uns.

Also sei ein Vorbild für die kleinen Mädchen, die das erste Mal ein Gym betreten. Zeig ihnen, was es bedeutet, eine Frau auf der Matte zu sein.

Trainiere.

Do’s

• Verbinde dich mit anderen Frauen – gemeinsam trainieren macht stärker und gibt Sicherheit.

• Frag gezielt nach Runden – besonders bei höheren Gurten lernst du viel und bleibst sicherer.

• Setz deine Grenzen klar – sag „Nein“, wenn du dich unwohl fühlst.

• Achte auf deinen Körper – hör auf Signale, gönn dir Pausen, bevor kleine Verletzungen groß werden.

• Such dir Partner, die anpassen können – so wächst du technisch, ohne ständig überrollt zu werden.

• Sprich mit Trainern – sie helfen dir, wenn etwas nicht passt.

• Hab Spaß! – erinnere dich: Wir sind alle wegen der Freude am Kampfsport hier.


Don’ts

• Nicht jede Runde annehmen – besonders nicht, wenn dein Gegenüber viel schwerer, unkontrolliert oder unerfahren ist.

• Dich nicht für andere „aufopfern“ – dein Fortschritt ist wichtiger als jemandes „leichte Runde“.

• Schamgefühle nicht runterschlucken – wenn etwas übergriffig ist, sprich es an.

• Grenzen nicht ignorieren – weder körperlich noch emotional.

• Vergleiche dich nicht ständig – dein Weg ist dein Tempo.

• Spaß nicht vergessen – wenn Training nur Stress ist, läuft was falsch.

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