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So bereitest Du Dich bestmöglich für deinen (ersten) BJJ | Grappling | Nogi Wettkampf vor

Die folgenden Gedanken sollen Dich auf dem Weg zu vielen erfolgreichen BJJ | Grappling | Nogi Wettkämpfen begleiten.

Wie auch in unserem großartigen Sport ist nichts was in diesem Dokument steht in Stein gemeißelt und Du darfst und sollst alles hinterfragen und ggf. Individualisieren.

Ich habe in diesem Dokument meine Erfahrung als Wettkämpfer und Coach aus über zwei Jahrzenten einfließen lassen. All diese Dinge sind, wie ich finde, bodenständige und vernünftige Ratschläge, die ich teilweise auf die harte Tour habe lernen müssen.

Im ersten Teil erhältst Du einen guten Überblick über all das, was für Dich als Wettkämpfer auf und neben der Matte an einem Wettkampftag relevant ist, sowie einige der wichtigsten taktischen Tips fürs Kampfgeschehen.

Im zweiten Teil wirst Du durch das Stellen der richtigen Fragen dabei unterstützt deine eigenes A-Game bzw. deinen Gameplan aufzubauen.

Viel Freude beim Durcharbeiten oder Nachschlagen!

Teil I: Wettkampftheorie

Gewicht machen

Ich empfehle wirklich jedem Kämpfer in seiner natürlichen Gewichtsklasse anzutreten und auf „Gewicht machen“ komplett zu verzichten. Wichtig ist, dass Du Dich 100% wohl fühlst und Energie für den Wettkampf hast. Bist Du generell übergewichtig oder fühlst Dich in deinem Körper nicht wohl? Dann solltest Du das Problem nachhaltig angehen und nicht (ausschließlich) für den Wettkampftag.

Letztlich hat dein technisches und taktisches Verständnis, deine Energie und dein Mindset im Verhältnis zu deinem Gegner sehr viel mehr Einfluss auf deine Erfolgsaussichten als wenige Kilogramm Gewichtsunterschied.

Essen am Wettkampftag

Als Sportler solltest Du Dich natürlich gesund und ausgewogen ernähren und deinen Körper in Verbindung mit deiner Ernährung kennen.

An dieser Stelle möchte ich eigentlich nur dazu raten keine Experimente zu machen, sondern ausschließlich Dinge zu dir zu nehmen von denen Du weißt, dass Du sie gut verträgst.
Für erfahrene Sportler spielt die richtige Ernährung eine sehr entscheidende Rolle auf dem Weg zur bestmöglichen Performance. Aus Erfahrung weiß ich leider, dass Erstkämpfer hier aber Durch Experimente wie das Red Bull zum Frühstück ganz gerne mal in den Ofen schießen.

Wettkampfausrüstung

Hier liste ich einfach mal die Dinge, die ich in einen Turnbeutel packe, bzw. an mir trage und mit in die Warm-up Area bzw. an die Kampfmatte nehme:

  • Turnbeutel
  • Handy (nur für Musik oder Notfallkommunikation)
  • Kopfhörer
  • Mütze
  • Kapuzenpulli
  • Socken & Turnschuhe
  • Wasserflasche zum Wiederbefüllen
  • Isogetränk
  • Müsliriegel o.ä.
  • Ausweis
  • Tape

Warm-up

Halte Dich am besten an Warm-up Bewegungen, die Du auch in deinen wöchentlichen Trainingseinheiten nutzt. Sei dir darüber bewusst, dass Du wahrscheinlich nicht besonders viel Platz zur Verfügung haben wirst. Wichtig ist, dass Du einmal ins Schwitzen geraten bist. Streiche mit deiner Hand über deine Stirn – spürst Du deutlich den Schweiß auf der Haut, passt dein Warm-up. So ist sicher gestellt, dass Du deinen Kreislauf einmal richtig in Schwung gebracht hast und dein Körper keinen Kaltstart hinlegen muss.

Ich habe über die Jahre eine sehr konkrete Routine entwickelt, die ich wirklich liebe und der ich absolut vertraue:

Aufregung und Adrenalin

Aufregung und Adrenalin gehören in jedem Fall dazu und sollten dir auch nie verloren gehen.

Wenn der Moment kurz vor dem Kampf kommt und Du spürst, wie das Adrenalin ausgeschüttet wird, erinnere Dich daran, dass Du wusstest, das genau das passieren wird und versuche Dich mit positiven, entschlossenen und konkreten Gedanken auf den Kampf einzustimmen.

Wichtig ist, dass man nicht die Kontrolle verliert, sondern lernt die Aufregung zu kanalisieren.

Der kontrollierte und kanalisierte Adrenalinschub ist für erfahrene Wettkämpfer schließlich der „Super-Boost“, der den Wettkampfmodus einschaltet.

Gameplan

Im Wettkampf ist es Zeit für dein A-Game.

Das bedeutet Du solltest von Anfang bis Ende super konsequent deine stärkste Position suchen und aus dieser kämpfen.
Läuft etwas nicht nach Plan, solltest Du eine Position verlieren oder in Rückstand geraten: das gehört selbstverständlich zum Kämpfen dazu – Pokerface und für keine Sekunde aufhören zu kämpfen.

Intensität

Die Intensität des Wettkampfs ist im Training kaum herzustellen. Es ist wirklich wichtig, dass Du von der ersten Sekunde an hart kämpfst.

Kontrollierte Aggressivität ist das, was Du im Wettkampf brauchst.

Sei nicht unkontrolliert, oder emotional, aber wenn Du eine Aktion machst, machst Du diese zu 100%. Und Atmen nicht vergessen 😉

Coaching
Das wichtigste im Kampf ist, dass Du zu keinem Zeitpunkt aufhörst zu kämpfen und Dich Durch nichts aus dem Konzept bringen lässt.

Das Coaching Durch einen erfahrenen Trainer oder Wettkämpfer kann ein sehr großer Vorteil im Kampf sein. Daher solltest Du natürlich versuchen das an Dich gerichtete Coaching zu hören, verstehen und umzusetzen.

Solltest Du akustisch oder inhaltlich nicht verstehen was dein Trainer auf die Matte ruft oder solltest Du es im entsprechenden Moment nicht fühlen, dann gehe darüber hinweg, aber höre niemals auf zu kämpfen!

Wichtig ist auch, dass Du niemals zu deinem Trainer aufschaust, sondern mit all deinen Sinnen auf der Matte und bei deinem Gegner bleibst.

Verantwortung

Im Idealfall hast Du natürlich ein gutes Team und einen Trainer, der Dich unterstützt und dir hilft Dich zu organisieren.

Letztlich gilt am Wettkampftag, wie in allen (für Dich) wichtigen Situationen im Leben: jeder ist seines Glückes Schmied: Du musst Dich selbst organisieren, genau so wie Du am Ende selbst auf die Matte gehen und abliefern musst.

Sei darauf vorbereitet, dass Dinge schief gehen werden: Deine Klasse startet zu spät oder Du musst in einer höheren Gewichtsklasse starten oder dein Coach ist gerade nicht da, oder … Nichts davon bringt Dich aus der Ruhe. Du bleibst fokussiert und im Wettkampfmodus und nimmst die Dinge genauso wie sie kommen.

Taktische Tipps fürs Kampfgeschehen

Atmen

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren überhaupt. Klingt einfach, aber die Intensität im Wettkampf ist wirklich so hoch, dass selbst fortgeschrittene Sportler vergessen zu atmen und die Luft anhalten.

Atmen sollte eines deiner Mantras im Wettkampf sein. Außerdem sollte Dich auch immer ein Trainingspartner oder Coach vom Mattenrand aus regelmäßig daran erinnern.

Nicht ärgern

Es werden Dinge nicht optimal laufen. Du wirst Positionen verlieren, Punkte nicht kriegen und dein Gegner wird Dich mal zwicken. Wichtig ist, dass Du weder Zeit noch Energie auf Ärgern (verharren, Kopf schütteln, Worte, …) verwendest, sondern mit Pokerface und höchster Konzentration weiter nach vorne gehst.

Nicht akzeptieren

Hiermit meine ich die Tatsache, dass Positionsverluste in Wettkämpfen schlicht von dem Position-Verlierenden Kämpfer nicht akzeptiert werden. Dieser wird, sehr viel explosiver und entschlossener versuchen direkt zu brücken, aus der Position zu explodieren und seinen Gegner zwingen die Positionsverbesserung mit aller Kraft und technischer Finesse zu sichern. Dieser Sachverhalt ist es, der Kämpfen auf Turnieren die Härte, die Energie, den Look gibt.

Auch Du solltest bereit sein, genau das zu tun. Sei Dir bewusst, dass mit explosiven Aktionen auch immer ein Risiko einhergeht die Position weiter zu verlieren oder submittet zu werden, also wende dieses Verhalten taktisch klug an.

Positionen sichern

Ein häufiger Fehler in Wettkämpfen ist es Positionsverbesserungen (=Punkte) nicht zu sichern, direkt mehr zu wollen und somit nicht nur keine Punkte zu erhalten, sondern eben auch die Position direkt wieder zu verlieren.
Sicher gibt es auch Momente im Kampf, wo es Sinn macht, oder sogar nötig ist Aktionen schnell aneinander zu ketten.

In den allermeisten Fällen ist es aber die bessere und zielführendere Wahl bewusst eine Positionsverbesserung zu sichern, zu warten bis die Punkte auf der Tafel stehen und dann gut vorbereitet und bewusst den nächsten Schritt zu gehen. Auch vor allem, da dein Gegner wahrscheinlich „nicht akzeptieren“ wird (s.o.).

Geduld

Das schönste Jiu-Jitsu ist sicher ein flüssiges, kontrolliert aggressives, eines das Technik und Bewegung in den Kampf bringt und das toll anzuschauen ist.

Die Wahrheit ist aber auch, das Jiu-Jitsu in der Wettkampfvariante ein hochtaktischer Sport ist. Geduld, das Ausspielen des Regelwerks, das Schaffen von Patts („Stalling“) ist ein ganz großer Teil des Sports und Werkzeug eines jeden konstant erfolgreichen Wettkämpfers. Lerne auch Du diese Werkzeuge taktisch zu nutzen.

The Big Picture

Einen Kampf für sich zu entscheiden ist ein großartiges Gefühl. Und genau dafür stellen wir uns der Herausforderung – keiner kommt zum Verlieren.

Letztlich gilt aber, insbesondere für den ersten Wettkampf: Du stellst Dich zuallererst dir selbst. Egal wie der Kampf selbst ausgeht, sei stolz auf Dich und lerne aus diesem intensiven Erlebnis. Ich habe den größten Respekt vor jedem, der kämpft.

Teil II: Dein BJJ / Grappling Gameplan

Die folgenden Fragen sollen Dich dabei unterstützen deinen persönlichen Gameplan bzw. dein A-Game aufzubauen.

Es gibt kein richtig oder falsch und deine Antworten sollten ein dynamische Konstrukt sein, das sich stets weiter entwickelt.

Entwicklung deines Gameplans (A-Game)

  • Wie möchte ich den Kampf eröffnen?
  • Welche Position suche ich aktiv?
  • Welche Griffe sind für mich besonders wichtig?
  • Welche Position suche ich von oben?
  • Bevorzugt wie?
  • Welche Position suche ich von Unten?
  • Bevorzugt wie?
  • Visualisiere deinen idealen Kampf (Vom Stand bis zur Submission)
  • Baue rund um deine beste Position und beste Technik Konter und Folgetechniken
  • Finde Möglichkeiten, um aus allen Position zu deiner besten Position zu kommen

Gegneranalyse

  • Pullt mein Gegner oder bleibt er stehen?
  • Mit welchem Fuß steht mein Gegner vorne?
  • Auf welcher Seite erzwingt er Guard?
  • Welche Griffe sucht er?
  • Auf welche Techniken geht er?
  • Wird er müde?

Du hast Lust Dich mit uns zusammen auf deinen nächsten Wettkampf vorzubereiten oder bist einfach auf der Suche nach dem für Dich richtigen Kampfsport-Team?

Du bist jederzeit ganz herzlich zum Probetraining willkommen!

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