Ich habe mich entschieden, einen Großteil meiner Lebenszeit in die Entwicklung von Jiu-Jitsu in Deutschland zu investieren, weil ich überzeugt davon bin, wie wertvoll der Sport für uns alle sein kann — und ganz besonders für Kinder.
Jiu-Jitsu ist nicht irgendein Sport mit frei erfundenen Regeln. Es ist die Kunst, sich frei und kreativ, körperlich gegen einen anderen Menschen durchzusetzen, ohne zu schlagen — und sie ist zu 100% real. Wie wertvoll das gleichermaßen für Jungen wie für Mädchen ist, vom Kindergarten- bis ins Erwachsenenalter, liegt denke ich auf der Hand.
Regelmäßiges Training ist schon ein fantastisches Werkzeug. Turniererfahrung obendrauf ist praktisch unbezahlbar. Immer wieder kommen Eltern auf mich zu mit verschiedenen Anliegen, die mir zeigen, dass vielen noch nicht ganz klar ist, was wir hier eigentlich machen.
Alle Erfolgsfaktoren, die Kids zu einer guten Performance auf der Matte führen, machen sie genauso stark fürs echte Leben. Aber nur, wenn sie wirklich Anwendung finden.
Ich könnte unendlich viele Beispiele geben, möchte aber einen Punkt herausgreifen, der besonders oft angesprochen oder missverstanden wird.
Viele Eltern waren sehr sensibel dafür, welche Kinder zusammen in einer Gruppe kämpfen. Am liebsten wäre es einigen, dass ihr Kind immer das älteste, schwerste und erfahrenste im Bracket ist. Das geht aber natürlich nicht immer — und genau das würde die Wertigkeit des Turniererlebnisses, vor allem im Zeitverlauf, auch verwässern.
Klar sollen die Klassen fair zusammengestellt sein. Gleichzeitig durchläuft jedes Kind immer wieder den gleichen Zyklus innerhalb einer Alters-, Gewichts- und Erfahrungsklasse: Man startet als der jüngere, der leichtere oder der unerfahrenere Kämpfer. Trotzdem stellt man sich mutig der Herausforderung. Durch konstante und ehrliche Arbeit im Training bleibt man am Ball, auch Misserfolge halten einen nicht auf, man entwickelt sich weiter und steht beim nächsten Wettkampf schon gestärkter und erfahrener da.
Man lernt, sich realistisch einzuschätzen. Man lernt Wertschätzung und Respekt für die Dinge, die einen weiterbringen. Konsistenz, Konzentration, Ehrgeiz und Mut werden belohnt — durch echte Ergebnisse. Nicht durch geschenkte oder garantierte Bonbons. Einen Kampf zu gewinnen, fühlt sich toll an. Einen zu verlieren, tut weh. Mit beidem muss man umgehen lernen.
Wie im echten Leben auch. Wann sollte der Moment kommen, in dem unsere Kids lernen, dass das Leben einem eben nicht immer auf den Leib geschneidert ist? Dass einem sogar Mama bei manchen Dingen nicht helfen kann? Dass Umstände und Entscheidungen manchmal nicht in unserem besten Interesse gestaltet sind?
Alle Kids, die sich trauen zu kämpfen, verdienen großen Respekt — und entwickeln sich durch diese Kämpfe extrem weiter. Auch wenn es im ersten Moment manchmal nicht direkt greifbar ist.
Es ist wichtig, dass wir zusammen helfen, dass die Kinder Training und Wettkampf im Kontext des Lebens verstehen. Es geht wirklich darum, an sich ganz persönlich zu arbeiten, sich so wenig wie möglich zu vergleichen und jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Nicht nach Ausreden oder Ungerechtigkeiten zu suchen, sondern sich auf die Dinge zu fokussieren, die die Kids selbst in der Hand haben.
Ich wünsche den Kids und euch, dass euch der Sport noch ganz lange im Leben erhalten bleibt und euch stark macht für das echte Leben.
Bis hoffentlich bald auf der Matte.
Euer Ben
ben@munich-mma.de



